Anna Ancher

Skagen 1859–1935 Skagen

In Skagen in ein Milieu hineingeboren, wo viele Künstler der Zeit einund ausgingen, wurde Anna Brøndum schon als Kind dazu angehalten, sich in eine künstlerische Richtung zu entwickeln. Von 1875 bis 1879 wurde sie in Vilhelm Kyhns Zeichen- und Malschule in Kopenhagen unterrichtet. Die künstlerische Anerkennung kam nach ihrem Debüt 1880 zur Weihnachtsausstellung auf Charlottenborg schnell. Im selben Jahr heiratete sie den Bildkünstler Michael Ancher, dem sie 1877 in Skagen begegnet war. Das Paar ließ sich in Skagen nieder, hielt sich aber gemeinsam mehrmals im Ausland auf.

1885 führten Studienreisen sie nach Holland, Belgien und Paris, wo Anna sowohl den Salon als auch die französischen Impressionisten kennenlernte. 1888 reiste sie nach Paris, wo sie im darauffolgenden Jahr vier Werke auf der Weltausstellung zeigte. Bis in die 1890er Jahre erhielt Anna mehrere Auszeichnungen in Form von Medaillen der Kunstakademie und mehreren Einladungen, im Inland und im Ausland auszustellen.

Ihr Wirken und ihre Motivwahl blieben auf Skagen konzentriert. Anna Ancher ist oft als Impressionistin bezeichnet worden, aber für sie war besonders das Licht schon ein Motiv für sich und damit ein viel materielleres Phänomen als bei den Impressionisten. Anna Ancher starb 1935 und wurde in Skagen begraben.

Fleur Wetterholm

I høstens tid

Zur Erntezeit

1901 | Öl auf Leinwand, 63 x 82 cm | Foto: Ole Akhøj

Anna Ancher gehörte zum engsten Kreis von Künstlern in Skagen, der an der nördlichen Spitze von Dänemark gelegenen Malerkolonie – nicht zuletzt durch ihre Ehe mit dem Maler Michael Ancher (1849–1927). Als echte Skagenbewohnerin und Frau unterschied sie sich indes von den anderen Bildkünstlern, bewies aber auch durch ihre Motivwahl ihre Selbständigkeit gegenüber den männlichen Kollegen. Ihr Kennzeichen wurde das Leben unter den dortigen Bewohnern und die intimen Personen- und Interieurschilderungen im Gegensatz zu figürlichen Szenen mit zahlreichen heroisch wirkenden Fischern oder Reportagen vom lustigen Leben in der Künstlerkolonie. Und Ancher fing in ihren Bildern häufig die Poesie der Stille ein. Hier ist es eine Alltagsszene mit drei Personen auf dem Weg zur Ernte.

Die Komposition hat etwas von einem Fries, was die waagerechten Linien im Aufeinandertreffen auf die senkrechten Figuren unterstreichen. Nur die Erntegerätschaften verleihen der Komposition mit ihren diagonalen Linien Dynamik. Mit diesem Bild hat Anna Ancher den Erntearbeitern in Skagen ein schönes Denkmal gesetzt und damit einem Ausschnitt des örtlichen Lebens, dem die Künstler oft keine Aufmerksamkeit schenkten.

Jacob Helbo Jensen

Skagen 1859–1935 Skagen
I høstens tid – Zur Erntezeit

1901 | Öl auf Leinwand, 63 x 82 cm | Foto: Ole Akhøj