Hans Olde

Süderau 1855–1917 Kassel

Johannes Wilhelm, ab 1880 kurz „Hans“, Olde wurde 1855 in Süderau in Holstein als Sohn des Landwirtes Joachim Wilhelm und seiner Frau Auguste geboren. Auf Wusch des Vaters absolvierte Olde zunächst eine dreijährige landwirtschaftliche Ausbildung, ging 1879 jedoch zum Kunststudium an die Akademie in München 1886 reiste er nach Paris, studierte einige Monate an der Académie Julian und entdeckte die moderne Freilichtmalerei. Nach weiteren Parisaufenthalten wurde er einer der ersten vom Impressionismus überzeugten Maler in Deutschland. In München zählte er 1892 zu den Gründungsmitgliedern der Secession, siedelte dann aber auf das väterliche Gut Seekamp bei Kiel über. Auf weiteren Reisen nach Frankreich kam Olde auch mit dem Neoimpressionismus in Kontakt. 1902 erhielt Olde eine Professur an der Weimarer Kunstschule. 1911 wechselte er an die Kunstakademie in Kassel. An beiden Kunstschulen konnte er als Direktor die Unterrichtsformen reformieren und modernisieren. 1917 starb er in Kassel.

Alexander Bastek

Im Sonnenschein

I solskin

1892 | Öl auf Leinwand, 70 x 56 cm

Hans Olde zählt zu den ersten Künstlern in Deutschland, die sich ganz dem Impressionismus zuwandten. Als Sohn eines Landwirtes absolvierte er zunächst eine landwirtschaftliche Ausbildung, bevor er von 1879 bis 1884 an der Münchner Akademie Kunst studierte. Bei Aufenthalten in Paris (1886, 1888 und 1891) kam er mit der modernen Freilichtmalerei, vor allem mit dem Werk Monets in Kontakt. Im Juni 1892 siedelte Olde auf das väterliche Gut Seekamp bei Kiel über, wo das Gemälde „Im Sonnenschein“ entstand. Dargestellt ist vermutlich seine Frau Margarethe mit dem Sohn Joachim auf dem Arm, wie sie bei gleißendem Sonnenschein auf dem Feld mit einem Bauern im Gespräch ist.

Zur Darstellung von Licht- und Wetterstimmungen, der besonderen Atmosphäre eines Ortes oder Zeitpunkts bot die Natur dem Künstler alle denkbaren Vorlagen: leuchtende Farben im prallen Sonnenlicht ebenso wie die Bewegungen eines wolkigen Himmels. Die Plein-Air-Malerei, das Malen unter freiem Himmel, bot Zugang zu neuen Licht- und Farberlebnissen, die auf der Leinwand festgehalten wurden. Hans Olde versuchte sich um 1892 auch im Pointillismus, einer Technik, bei der die Farben ungemischt nebeneinander gesetzt werden. Damit suchte er im vorliegenden Bild eine malerische Entsprechung zum flirrenden Farbenspiel im Sonnenschein zu finden. Die Darstellung des gleißenden Sonnenlichts, wie es vor allem auf der Mutter-Kind-Gruppe liegt, hob Olde auch dadurch hervor, dass er das genaue Gegenteil – den Schatten auf Seiten des Bauern – ebenfalls ins Bild nahm.

Alexander Bastek

Süderau 1855–1917 Kassel
Im Sonnenschein – I solskin

1892 | Öl auf Leinwand, 70 x 56 cm