Landschaften

Die Landschaftsmalerei spiegelt weder nur eine bestimmte Landschaft noch gibt sie lediglich eine besondere Gegend oder einen pittoresken Ausschnitt der Natur wieder. Sie ist auch Ergebnis der künstlerischen Darstellung, in der sich die herrschenden Ideen und das Weltbild der Zeit ausdrücken.

Die Landschaftsmalerei lässt sich bis in die Antike zurückverfolgen, doch erst Anfang des 19. Jahrhunderts entfaltet das Genre sein volles Potential und gewinnt es sowohl im dänischen wie im europäischen Kontext an großer Popularität. Zu dieser Zeit sah man in den Landschaftsschilderungen eine neue Empfindsamkeit und Vielfalt. Diesen kam als kultureller Ausdruck und Träger von symbolischem Inhalt große Bedeutung zu, oft mit nationalen Untertönen. So widmete man sich ausdrücklich, und zwar in Dänemark wie in Deutschland, der heimischen Natur.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts ging die Entwicklung vom naturalistischen und topografischen Landschaftsbegriff hin zu neuen impressionistischen und expressionistischen experimentierenden Formen. Die Landschaften in dieser Ausstellung stammen aus dieser späteren Periode, und viele Werke zeigen hier zu ein und derselben Zeit ebenso sehr nach vorn zur Abstraktion wie zurück zur Figuration und Nachahmung der Natur.

Das Skejten-Bild des blutjungen Olaf Rude zeigt noch naturalistische Züge, doch indem Rude immer wieder zu dem Motiv zurückkehrte, lässt sich verfolgen, wie er durch Ausbildung und Reisen sein künstlerisches Bewusstsein änderte und sich für neue Formexperimente öffnete. Auch Max Slevogt, einer der führenden Impressionisten Deutschlands, arbeitete ständig mit derselben Landschaft. In der Pfälzer Gegend hat er bekanntlich viele seiner Werke zu unterschiedlichen Tages- und jahreszeitlichen Stimmungen geschildert – eine Idee, die auf das Prinzip des Impressionisten Claude Monet (1840-1926) zurückging, in Serien zu malen.

Die modernistischen Maler Harald Giersing und Max Pechstein repräsentieren die dualistische Gratwanderung zwischen Abstraktion und Natur. Beide gehen sie in die Natur und malen hier ganz „unmodern“ ihre Motive im Freien und setzen dabei ihre Sinneseindrücke von Sorø und Nidden in moderne Naturinterpretationen in einer experimentierenden expressiven Formensprache um.