Lovis Corinth

Tapiau 1858–1925 Zandvoort, Niederlande

Franz Heinrich Louis Corinth wurde 1858 in Tapiau (Ostpreußen) geboren und begann 1876 seine lange akademische Kunstausbildung in Königsberg. 1880 wechselte er an die Münchner Akademie und ging von 1884 bis 1887 nach Paris (Académie Julian). 1888 gab er sich den Künstlernamen „Lovis“ und kehrte 1891 nach München zurück. Corinths Malerei ist in diesen Jahren an den Alten Meistern und klassischen Themen orientiert, die er in eine zeitgemäße Form überführen wollte. Er schloss sich der 1892 gegründeten Münchner Secession an, der er jedoch nur kurz angehörte. Fortan orientierte sich Corinth mehr und mehr nach Berlin, wo er ab 1900 bei der dortigen Secession ausstellte und im Jahr darauf ihr Mitglied wurde. Im Oktober 1901 eröffnete Corinth in Berlin eine Malschule. Charlotte Berend, seine erste Schülerin, heiratete er 1903. In den folgenden Hauptschaffensjahren paarte sich eine kraftvolle moderne Pinselführung mit oft traditionellen Salonmotiven zu einer virtuosen Malerei, die sich zwischen Impressionismus und Expressionismus bewegt und eigentlich nicht einzuordnen ist. Nach einem Schlaganfall 1911 änderte und radikalisierte sich Corinths Malstil neuerlich. 1919 erwarb er ein Grundstück in Urfeld am Walchensee. Zahlreiche „Walchensee-Bilder“ prägen Corinths Spätwerk. Er starb 1925 in Zandvoort in den Niederlanden.

Alexander Bastek

Sommer

(Sommer)

1905 | Öl auf Leinwand, 58,2 x 56,2 cm

Lovis Corinth zählt neben Max Liebermann und Max Slevogt zu den drei großen deutschen Impressionisten. Er hatte zunächst an der Akademie in Königsberg studiert, dann in München, wo er sich ebenso wie später in Berlin der Sezession anschloss. In Berlin eröffnete er 1901 eine Malschule und heiratete 1903 seine erste Schülerin, die über zwanzig Jahre jüngere Charlotte Berend. Sie wurde sein wichtigstes Modell. Auch im Gemälde „Sommer“ ist sie dargestellt. Das Bild entstand während eines Sommeraufenthaltes des Paares in Braunlage im Harz. Charlotte trägt einen mit Rosen geschmückten Hut, ihr Oberkörper ist lediglich an Armen und Brust von einem feinen Stoff umhüllt und erscheint beinah als Akt. Sie blickt den Betrachter direkt an. Blick und Nacktheit ihres Oberkörpers lassen das Porträt sehr intim erscheinen, wohingegen der reich geschmückte Hut repräsentativ wirkt. Die Verbindung solcher Gegensätze zeichnet die Kunst Corinths aus. Das Vorbild altniederländischer Porträts, etwa eines Fans Hals, wird im Gemälde „Sommer“ ebenso ersichtlich wie das der modernen französischen Malerei. Corinth wählte kraftvolle Farben, die er pastos und mit deutlich erkennbarem Pinselstich auf die Leinwand brachte. Das Gemälde ist einerseits ein sehr persönliches Porträt seiner Frau. Unter dem Titel „Sommer“ wird es jedoch zur klassischen Allegorie.

Alexander Bastek

Tapiau 1858–1925 Zandvoort, Niederlande
Sommer – (Sommer)

1905 | Öl auf Leinwand, 58,2 x 56,2 cm