Michael Ancher

Rutsker 1849–1927 Skagen

Als Michael Ancher 1865 das Gut Kalø auf Mols besuchte, verspürte er den Drang, Maler zu werden. Dabei begegnete er den Bildkünstlern Theodor Philipsen (1840–1920) und Vilhelm Groth (1842–1899), die hier Landschaften malten. 1871 erhielt er in Chr. V. Nielsens Zeichenschule Unterricht im Perspektivzeichnen. Im selben Jahr wurde er zum Studium an der Kunstakademie in Kopenhagen angenommen, das er jedoch nie abschloss. 1874 debütierte er auf der Frühjahrsausstellung auf Charlottenborg. Im selben Jahr reiste Ancher nach Skagen und begann hier sofort, Leben und Arbeit der Fischer zu schildern. In Skagen verliebte er sich in die vierzehnjährige Anna Brøndum (1859–1935), die er später heiratete. Seinen Durchbruch schaffte er 1880 auf der Frühjahrsausstellung, Forårsudstillingen, mit dem Bild Vil han klare Pynten? (Schafft er es um die Landspitze?), das der König kaufte. Es war in einer realistischen Form gemalt, die unbewusst auf den Modernen Durchbruch hindeutete. In den folgenden Jahren ließen sich allmählich auch andere Maler in Skagen nieder und schlossen sich hier gemeinsam zu dem später als Skagenmaler bekannten Kreis zusammen. Obwohl Michael Ancher unter anderem nach Frankreich und Italien reiste und 1900 auf der Pariser Weltausstellung ausstellte, kehrte er doch immer wieder nach Skagen zurück.

Fleur Wetterholm

Anna Ancher i haven

Anna Ancher im Garten

Ca. 1900 | Öl auf Leinwand, 35 x 28,5 cm | Foto: Ole Akhøj

Der Skagenmaler Michael Ancher fertigte sein Leben lang zahlreiche Studien in Öl an, die ihm dazu dienten, eine besondere Farbe oder spezielle Beleuchtung auf der Leinwand festzuhalten. Ursprünglich waren solche Studien ein Stadium im Prozess zum endgültigen Bild, doch mit dem Impressionismus erkannten zunächst die Maler und dann auch das Publikum deren ganz eigenen Qualitäten. Jetzt wurde die Ölstudie in den Rang eines selbständigen Kunstwerks erhoben, vermittelte sich doch, was der Künstler im spontanen Erlebnis gesehen hatte.

An Porträts seiner Ehefrau Anna (1859 –1935) hatte Michael Ancher seit Anfang der 1890er Jahre gearbeitet. Eine Reihe von Modellfotos dienten ihm als Gedächtnisstütze.

Die Skagenmaler nutzten den Garten oft als Ausgangspunkt, um ihr Privatleben darzustellen. Damit wurde der private Garten zum verlängerten Interieur, und oft sieht man Personen im Freien bei eigentlich häuslichen Verrichtungen, wie dem Lesen oder Nähen, oder wie hier beim Pflücken eines Straußes für den Zimmerschmuck. Die Gartengestaltung war ebenso wie dekorativer Blumenschmuck eine Möglichkeit, sich in der Einrichtung des Heims selbst auszudrücken. Das Ehepaar machte große Anstrengungen, um sich ein geschmackvolles Zuhause einzurichten, das es immer wieder in seinen Bildern oder zeitgleich entstandenen Fotos verewigte. Michael und Anna Anchers Haus ist erhalten und als Teil der Skagens Kunstmuseer öffentlich zugänglich.

Jacob Helbo Jensen

Rutsker 1849–1927 Skagen
Anna Ancher i haven – Anna Ancher im Garten

Ca. 1900 | Öl auf Leinwand, 35 x 28,5 cm | Foto: Ole Akhøj