Svend Hammershøi

Frederiksberg 1873–1948 Frederiksberg

Svend Hammershøi ist als jüngster Sohn der Familie in einer Schar von vier Kindern auf Frederiksberg aufgewachsen. Er war sein Leben lang eng mit seiner Familie verbunden und wohnte nach dem Tod der Eltern weiter mit seiner Schwester Anna zusammen. Er hat sein ganzes Leben nicht geheiratet. Hammershøi wurde 1880 an der Kunstakademie in Kopenhagen aufgenommen, schrieb sich aber zwei Jahre später auf Kunstnernes Frie Studieskoler unter der Leitung des Malers Kristian Zahrtmann (1843–1917) ein. Parallel zu seiner Ausbildung gelang ihm der Durchbruch mit einer Ausstellung in Kleis’ Kunsthandel in Kopenhagen. Außerdem wurde eine seiner Zeichnungen als Illustration in der symbolistischen Zeitschrift Taarnet (Der Turm) gedruckt, und mit anderen Künstlern aus diesem Kreis stellte er in den Jahren 1885–1909 regelmäßig auf Den Frie Udstilling aus. Nuancen aus Grün, Gelb und Braun bestimmten die Farbpalette, und die bevorzugten Motive waren große alte Bäume, entweder mit nackten Ästen oder mit saftiggrünem Laub, sowie ältere Gebäude von kulturhistorischem Wert. Dazu war er auf seinen wiederholten Reisen u. a. nach Oxford in den Jahren 1910–1933 inspiriert worden.

Fleur Wetterholm

Søllested Kirke, set fra apsis

Søllested Kirke, von der Apsis gesehen

Öl auf Leinwand, 41 x 22,6 cm | Foto: Ole Akhøj

Svend Hammershøi ist eine besondere Gestalt in der dänischen Kunst. Er war sowohl Maler als auch Keramiker und entwickelte in beiden Kunstarten seinen eigenen selbständigen Ausdruck. Zu Lebzeiten war er ein geschätzter Künstler, heute dagegen ist er an die Peripherie der dänischen Kunstgeschichte gerückt und wird hauptsächlich als der jüngere Bruder des auch im Ausland bekannten Malers Vilhelm Hammershøi (1864–1916) wahrgenommen.

Svend Hammershøi hatte zwei bevorzugte Motive – Bäume und Gebäude. Bei den Gebäuden fand besonders die ältere Architektur, bestehend aus einer Motivwelt von Granitkirchen und Schlössern, sein ganz großes Interesse, und diese hat er ganz oft in einer charakteristisch melancholischen Stimmung festgehalten.

Hammershøi erzeugt in seinen Bildern eine besondere Atmosphäre, geschaffen durch ein weiches, plastisches und diesiges Licht. Hammershøi scheint die Motive aber mehr in eine Lake aus graugelbem Kolorit zu versenken als den Raum durch das Licht zu öffnen. Kein Schatten betont das Plastische, wie man es gewöhnlich auf Architekturbildern findet; das Licht ist gefiltert, weich und von einer unbekannten Lichtquelle gleichmäßig verteilt. Seine Bilder bekommen dadurch eine traurige Stimmung, der man sich nur schwer entziehen kann.

Jacob Helbo Jensen

Frederiksberg 1873–1948 Frederiksberg
Søllested Kirke, set fra apsis – Søllested Kirke, von der Apsis gesehen

Öl auf Leinwand, 41 x 22,6 cm | Foto: Ole Akhøj